Rückblick: „Das Prinzip Provokation. Kunst und Protest in den 1960er und 1970er Jahren“
In einer Gesellschaft, deren Wandel den einen nicht schnell genug ging, während er andere überforderte, konnte Provokation die Verhältnisse zum Tanzen bringen. Wie eng Kunst und Politik in dieser Zeit miteinander verflochten waren, zeigte Prof. Dr. Detlef Siegfried in seinem Vortrag am 20. April.
Im Zentrum stand die gezielte Irritation: Das bewusste Infragestellen gesellschaftlicher Normen, Konventionen und Klischees durch öffentlichkeitswirksame Aktionen und zugespitzte politische Botschaften. Gerade diese kalkulierten Grenzüberschreitungen entfalteten eine enorme gesellschaftliche Resonanz.
Anhand prägnanter Beispiele wurde die Dynamik dieser Protestkultur greifbar. So sorgten die Frankfurter „Provos“ etwa für Aufsehen, als sie aus Protest gegen einen Barbesitzer, der Männern mit langen Haaren den Zutritt zu seiner Bar verbot, demonstrativ in dieser ausharrten und schließlich von der Polizei vorläufig festgenommen wurden. Noch größere mediale Wirkung erzielten die Aktionen der Kommune 1. Ihr sogenanntes „Pudding-Attentat“, eine geplante, letztlich vereitelte Wurfaktion mit einer Mischung aus Joghurt, Mehl und Pudding auf den US-Vizepräsidenten Hubert H. Humphrey im April 1967, machte die Gruppe schlagartig bekannt.
Auch in der Kunst fanden Formen der Provokation ihren Ausdruck. Mit seinen pointierten Montagen überspitzte Klaus Staeck gesellschaftliche Widersprüche und brachte politische Konfliktlinien visuell auf den Punkt.
Prof. Dr. Detlef Siegfried während seines Vortrags.
Prof. Dr. Bernd Braun, Geschäftsführer der Stiftung, begrüßt die Anwesenden im Friedrich-Ebert-Haus-

