Rückblick: „Die Wahrheit stirbt im Algorithmus“ – Fake News, Empörung und die Zukunft der Demokratie
Am 21. Mai hielt Dr. Alessandro Bellardita, der als Strafrichter am Bezirksjugendschöffengericht Karlsruhe tätig ist, als Lehrbeauftragter an der Hochschule für Rechtspflege in Schwetzingen arbeitet und Kriminalromane schreibt, einen Vortrag zum Thema „Fake News, Empörung und die Zukunft der Demokratie“.
In seinem Vortrag erläuterte Bellardita die Funktionsweise von Algorithmen in sozialen Medien und ihren Einfluss auf die öffentliche Meinungsbildung. Plattformen bewerteten Inhalte demnach nicht danach, ob sie wahr sind, sondern danach, ob sie Aufmerksamkeit und Klicks erzeugen. Dies trage zur zunehmenden Polarisierung im Internet bei. Gleichzeitig betonte Bellardita, dass das Internet entgegen der Auffassung mancher Nutzer kein rechtsfreier Raum sei. Straftaten wie Beleidigungen können nicht nur im „realen” Leben, sondern auch im digitalen Raum verfolgt und geahndet werden.
Mit Blick auf mögliche Regulierungen sozialer Medien zog Bellardita eine Parallele zur Einführung der Sicherheitsgurtpflicht in den 1970er- und 1980er-Jahren. Obwohl sich damals die Mehrheit gegen eine Gurtpflicht ausgesprochen hatte, konnte sich diese – sowohl mit als auch ohne Strafandrohung – durchsetzen. Ähnlich könne sich laut Bellardita auch die gesellschaftliche Haltung gegenüber einer stärkeren Regulierung digitaler Plattformen verändern.
Eine lebhafte Diskussion mit dem Publikum – darunter auch eine Schulklasse des Englischen Instituts – sowie anschließende Gespräche in der Backstube rundeten den Abend ab.
Prof. Dr. Bernd Braun, Geschäftsführer der Stiftung, begrüßt die Anwesenden.
Dr. Alessandro Bellardita bei seinem Vortrag.

