17. Friedrich-Ebert-Gedächtnis-Vortrag mit Leoluca Orlando
Mit dem Lied L’italiano von Toto Cutugno eröffnete der Gitarrist Daniele Aprile am 6. Juli den 17. Friedrich-Ebert-Gedächtnis-Vortrag der Stiftung musikalisch.
Die Musik bildete an diesem Abend die Brücke zum Festredner und Ehrengast Leoluca Orlando, dem ehemaligen Oberbürgermeister von Palermo und heutigen Abgeordneten des Europäischen Parlaments. Der Vorstandsvorsitzende der Stiftung, Günter Schmitteckert, stellte ihn bei seiner Begrüßung als „un italiano vero“ vor.
Mit dem diesjährigen Friedrich-Ebert-Gedächtnisvortrag, so Schmitteckert, unterstrich die Stiftung bewusst ihre stärkere internationale Ausrichtung. Dies spiegelte sich auch im Titel des Vortrags wider: „Europäische Demokratie zwischen neuem Nationalismus und internationaler Verflechtung“. Schmitteckert skizzierte zunächst den beeindruckenden Lebensweg des Festredners und erinnerte daran, dass Leoluca Orlando einen Teil seines Jurastudiums in Heidelberg absolvierte. Als einer der wenigen Kommunalpolitiker, die weit über die Grenzen ihrer Stadt hinaus Bekanntheit und Anerkennung erlangten, setzte Leoluca Orlando sowohl in Sizilien als auch europaweit Maßstäbe. Bis heute engagiert sich der Sizilianer für Menschenrechte, Frieden, Vielfalt und Demokratie ein.
Seine internationale Bekanntheit verdankt Orlando nicht zuletzt seinem jahrzehntelangen Wirken als Bürgermeister von Palermo. Zwischen 1985 und 2022 führte er die sizilianische Hauptstadt über mehrere Amtszeiten hinweg und stellte sich – trotz ständiger persönlicher Bedrohung und der Gefahr, selbst zum Ziel der organisierten Kriminalität zu werden – entschlossen der Korruption und der Mafia entgegen.
In seiner Festrede sprach Orlando über die Interdependenz, also die engen politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Verflechtungen innerhalb Europas. Dabei verband er persönliche Erfahrungen aus seinem Leben mit den aktuellen Herausforderungen für unseren Kontinent. Er berichtete von seinem Kampf gegen die Mafia, von seiner Zeit als Bürgermeister von Palermo und von seiner heutigen Arbeit im Europäischen Parlament. Immer wieder machte er deutlich, dass Sicherheit nicht gegen Menschenrechte ausgespielt werden dürfe. Sein Leitsatz lautete: „Sicherheit entsteht durch die Wahrung der Menschenrechte.“
Mit Sorge blickte Orlando auf die Entwicklungen in der Welt. Die Demokratie sei nicht nur durch äußere Bedrohungen gefährdet, sondern auch von innen, wenn unter dem Vorwand größerer Sicherheit rechtsstaatliche Prinzipien geschwächt und demokratische Institutionen ausgehöhlt würden.
Anhand eindrucksvoller Anekdoten aus seiner Amtszeit in Palermo spannte Orlando den Bogen vom Kommunalen zum Globalen. Die Mafia, so betonte er, sei längst kein lokales Phänomen mehr, sondern agiere international und grenzüberschreitend – oftmals vernetzter und globaler als staatliche Institutionen. Umso wichtiger sei ein gemeinsames europäisches Handeln auf der Grundlage von Demokratie, Rechtsstaatlichkeit und Menschenrechten.
Zum Abschluss richtete Orlando einen eindringlichen Appell an das Publikum: Demokratie lebe vom Engagement ihrer Bürgerinnen und Bürger. „Brecht das Schweigen. Geht auf die Straße. Rettet Eure demokratischen Rechte.“ Palermo habe diese Chance erkannt und könne deshalb als Modell für ein demokratisches, solidarisches und weltoffenes Europa dienen.
Zum Abschluss griff Daniele Aprile noch einmal zur Gitarre und stimmte Nel blu, dipinto di blu, besser bekannt als Volare, an. Viele der Anwesenden ließen sich von der beschwingten Melodie mitreißen und sangen oder summten mit.
Günter Schmitteckert, Vorstandsvorsitzender der Stiftung, begrüßt die Anwesenden.
Leoluca Orlando bei seinem Festvortrag über europäische Verflechtungen.
Daniele Aprile begleitete die Veranstaltung musikalisch mit seiner Gitarre.
Günter Schmitteckert überreicht Leoluca Orlando ein Gastgeschenk.
Leoluca Orlando trägt sich ins Gästebuch ein. (v. l. n. r.) Prof. Dr. Bernd Braun, Prof. Dr. Hans-Jürgen Seimetz, Vorstandsmitglied der Stiftung, Leoluca Orlando, Stefanie Jansen, Bürgermeisterin der Stadt Heidelberg, und Günter Schmitteckert.

