Rückblick: Gespräch mit Marc Darchinger
Am 2. Juli sprach Marc Darchinger im Friedrich-Ebert-Haus im Rahmen der Sonderausstellung „Jupp Darchinger. Das Auge der Republik“, einer modifizierten Fassung der Schau des LVR-Landesmuseums in Bonn.
Der Sohn von Jupp Darchinger ist selbst Fotograf und hat in Bonn Jahrzehnte eng mit seinem Vater zusammengearbeitet. M. Darchinger, Jahrgang 1961 und ab 1983 im familiären Betrieb tätig, kennt sich – neben seinem Bruder Frank – wie wohl kein Zweiter mit dem Werk des Vaters aus. Während er in einem Video-Interview in der Ausstellung zu sehen ist, war nun seine Anwesenheit im trotz der Hitze erfreulich gefüllten Atrium umso spannender.
Nach der Begrüßung durch Geschäftsführer Prof. Dr. Bernd Braun wagte der Abend einen doppelten Blick auf das ikonische Werk des Vaters und das Schaffen des Sohnes. Darchinger gab zunächst in einem Kurzvortrag anhand von 15 Bildern einen Eindruck von der Arbeitsweise seines Vaters und seiner eigenen fotografischen Praxis. Danach äußerte er sich im Gespräch mit Dr. Claudio Steiger, wissenschaftlicher Mitarbeiter in der Ebert-Gedenkstätte, pointiert über die deutsch-deutsche Geschichte und erzählte manch spannende Anekdote, wie etwa über ein dramatisches Brüsseler „Spiegel“-Gespräch in der Übergangszeit zur Digitalfotografie – als die rettende Übermittlung der Farbbilder letztlich per quälend langsamem Modem gelang –, oder das stundenlange Warten auf ein Porträt von Marcel Reich-Ranicki, der ihn zugleich sehr beeindruckte.
Eindrücklich war auch, wie zwischen den Zeilen stets die liebevoll-besondere Beziehung zum Vater deutlich wurde, etwa in den Schilderungen der „ewigen Gespräche“, die Marc Darchinger mit ihm in der heimischen Dunkelkammer führte, wozu auch einmal einer Symphonie Beethovens gelauscht wurde. Oder wie er den großen Respekt, den der Vater seinen Porträtierten entgegenbrachte, noch einmal lebendig machte, an den Beispielen von Rut und Willy Brandt bis hin zu Hildegard Knef, die als Porträts in der Ausstellung zu sehen sind.
Marc Darchinger berichtete über die Anfänge des Familienunternehmens in den Tagen Erich Ollenhauers, bei dem die Mutter Ruth als ausgebildete Fotolaborantin das unentbehrliche Fundament im Hintergrund bildete, und spannte den Bogen von der fotohistorischen Tradition bis hin zum technologischen Wandel unserer Tage. Da er die Gedenkstätte mit seinen Erinnerungen bereichert hatte, verließ er sie seinerseits nicht ohne ein traditionelles rotes Abschiedsgeschenk des Friedrich-Ebert-Hauses.
Prof. Dr. Bernd Braun, der Geschäftsführer des Friedrich-Ebert-Hauses, begrüßte die Anwesenden.
Zur Einführung präsentierte Marc Darchinger eine Auswahl von aufgenommenen Fotos.
Dr. Claudio Steiger führte das Gespräch mit Marc Darchinger.

